Worum ging es?
Vom 13.-19. Februar 2025 fand in Porto Alegre ein gemeinsames Fachkräftetreffen zwischen gemeindepädagogischen und theologischen Fachkräften aus der Ev.-Luth. Kirche Brasiliens und der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Niklas Ehrenfriedersdorf statt. Auf der gemeinsamen Tagung wurde das Konzept einer bilateralen Jugendbegegnung von Jugendlichen erarbeitet werden.
Einige der Jugendlichen in Brasilien haben deutsche Wurzel und einen Migrationshintergrund und es besteht großes Interesse insbesondere an Sachsen als Stammland der lutherischen Reformation. Für die sächs. Jugendlichen sind wichtige Impulse der Horizonterweiterung im Blick auf den eigenen Glauben und unsere Kultur durch eine solche persönliche Begegnung zu erwarten.
Angedacht wurde das Konzept einer 10 tägigen Jugendbegegnung in Brasilien im Februar 2026 und einer 10 tägigen Rückbegegnung im Greifensteingebiet.
Zudem wurde eine neue Städtepartnerschaft angebahnt. Durch persönliche Freundschaften soll sich langfristig auch eine wirtschaftliche, kulturelle oder wissenschaftliche Zusammenarbeit daraus ergeben.
So reisten Bürgermeisterin Silke Franzl und der Sozialpädagoge Timo Decker zusammen mit Pfarrer Falk Klemm nach Brasilien und trafen dort auf Vertreter der Ev.-Luth. Kirche Brasiliens (IECLB) und der Bürgermeisterin von Estrela Frau Schwingel.
Bericht vom 13.02.2025 – Porto Alegre
Superpünktlich setzen wir in São Paulo am Morgen auf und folgen danach weiter nach Porto Alegre. Die Ausmaße der Stadt São Paulo sind gewaltig. Pfr. Marcos Becher, der Generalsekretär der IECLB, begrüßte uns am Flughafen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen besuchten wir sogleich am Nachmittage 2 diakonische Einrichtungen der Kirche.
Zuerst den Kindergarten LUPi, der aus der Straßenarbeit in einem sozialen Brennpunkt der Stadt erwachsen ist.
Verheerende Überschwemmungen hatten die Stadt im vergangenen Jahr stark heim gesucht und haben alle hier vor große Herausforderungen gestellt. Auch im Kindergarten stand das Wasser 1,60 m hoch. Mit bescheidensten Mitteln und unter doch sehr eingeschränkten räumlichen Bedingungen versucht das Team unter Leitung von Karina Nunes das Beste für die Kinder. In D bekäme solch ein Ort wohl keine Betriebserlaubnis.
Eine weiter Einrichtung war das Centro diagonal Evangelico lutherano (CEDEL), ein Begegnungsort für Teens mit einer Beratungsstelle für Eltern und Hilfesuchende. Teenies der Stadt treffen sich hier vor oder nach der Schule zu gemeinsamen Workshops und zu gemeinsamen Aktionen. Ohne einen solchen Ort böte sich sonst wenig in der Stadt für Jungendliche, wie sie uns sagten. Die Leiterin, Kelly Leite, ist eine Frau mit einen brennenden Herzen für GOTT und auch sonst in der Kirchgemeinde vor Ort aktiv.
Am frühen Abend trafen wir noch auf den Pfarrer der Hauptkirche in Porto Alegre, der uns die Kirche zeigte. Überall stößt man hier auf die deutschen Wurzel. Ein Spaziergang durch das Zentrum der Stadt und ein gemeinsames Abendessen rundeten den Tag ab.












Bericht vom 14.02.2025 – Saō Leopoldo und Novo Hamburgo
Es ging 8.30 Uhr nach Saõ Leopoldo zum Spiegelberg. Das ist ein größerer Komplex von bedeutenden Einrichtungen für die Kirche. Dort befindet sich ein Diakonissenhaus das mit einem Seniorenheim verbunden ist. Die emeritierte Oberin, Sc. Ruthild, welche schon über 60 Jahre den Dienst an diesem Ort versieht, begrüßte uns und erzählte uns die Geschichte des Hauses und seine Bedeutung für die Ausbildung von Diakonen, deren Amt in der ILCEB, ebenso wie das der Missionare und Katecheten, dem der Pfarrer gleichgestellt ist. Alle diese Personen sind ordinierte Amtsträger. Die amtierende Oberin berichtete in Hundsrücker Dialekt über den gegenwärtigen Dienst.
Im Anschluss besuchten wir die Theologische Hochschule. Ihr Direktor Dr. Valerio Schaper berichtet darüber, dass sie durch den Brasilianischen Staat als exzellente Hochschule anerkannt wurde. Es studieren an ihr junge Menschen aus allen evangelischen Denominationen. Ganz besonders hoch ist der Anteil von pfingstkirchlich geprägten Studenten. Es gibt auch 6 Deutsche unter den 600 Studenten. Am kommenden Montag beginnt das neue Semester. Zuletzt absolvierten 80 Studenten erfolgreich ihr Studium.
Nach dem Mittagessen in der Mensa fuhren wir nach Novo Hamburgo, einer Stadt neben Saō Leopoldo, zu einem Kinderheim für Kinder, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde oder verstorben sind.
Anschließend besuchten wir in einem Stadtteil mit hoher Kriminalitätsrate ein weiteres Jugendbegegnungszentrum – ABEFI -, das von José Felipe Fabiano da Silva geleitet wird. Jugendliche begrüßten uns mit einem kleinen sportlich musikalischen Programm – Capoeira. Die Räumlichkeiten mussten alle vor kurzen wegen der großen Überschwemmungen auch an diesem Ort renoviert werden. Jugendliche habe hier einen Ort für Sport, Computer, Nähen, Backen, für Artistik und zum gemeinsamen Feiern. Das junge Team ist ambitioniert und mit größter Freude bei der Sache und den Kids.












Bericht vom Samstag – Capāo Da Canoā
Strahlend blauer Himmel und schon 32 Grad Celsius am Morgen. Schabbat. Wir verlassen Porto Alegre und fahren nach Capão Da Canoā, einer Stadt am Atlantik. Dort treffen wir auf das Ehepaar Egon und Ligia Lagermann. Das pensionierte Ehepaar aus Estrela hat dort eine schöne Ferienwohnung und begrüßt uns auf das herzlichste. Er war Präsident der Kirchgemeinde (Kirchenvorstandsvorsitzender) in Estrela als Pfr. Marcos Becher dort Pfarrer war. Wir verbringen den Nachmittag gemeinsam am Strand und den Abend mit Gesprächen beim Grillen über ihr Leben und die Geschichte der jüngsten Zeit hier in Brasilien. Sie sprechen beide Deutsch mit Hundsrücker Dialekt.




Bericht vom Sonntag – Estrela
10.00 Uhr Gottesdienst mit Hl. Abendmahl in der Kirche unter Leitung von Pfr. Rafael Bull. Wir werden herzlich begrüßt uns vorgestellt. Einige verstehen sogar Deutsch. Den Gemeindegesang begleitet allein eine Frau mit Flöte. Pfr. Bull predigt ausgehend von Matth. 11,28 über die lebensverändernde Kraft des Evangeliums. Die Verabschiedung von den Lagermanns tut ein bisschen weh, sie waren uns in der Kürze der Zeit ans Herz gewachsen. Sie haben ihr Haus für uns geöffnet und so versorgt, als würden ihre Kinder zu Besuch kommen. (Meine Badehose wurde gewaschen und mir getrocknet übergeben.)
Dann ging es nach Estrela, das wir gegen 15.30 Uhr nach 3 Stunden Autofahrt erreichten. Das Außenthermometer des Autos zeigte 38 Grad Celsius.
Am Abend dann für uns überraschend ein Programm der Tanzgruppe unter der Leitung von Andreas Hamester. Es wurde ins Internet auf YouTube (siehe ab 1h40min) übertragen. Wir waren eingeladen zu einem Panel. Mit vielen Gesprächen bei Bier und Essen klang der Abend aus. Das Interesse an einer Begegnung ist riesig. Einige der Musiker musizieren am kommenden Wochenende zusammen mit dem Thumer Blasorchester in Teutonia, unweit von hier.




Bericht vom 17.02.2025 – Estrela
Der Tag startete im Rathaus von Estrela. Die neu gewählte Bürgermeisterin Frau Carine Isabel Schwingel empfing uns zusammen mit den Referenten der Stadt sehr herzlich. Bürgermeisterin Frau Silke Franzl überreichte ihr einen Annaberger Faltstern uns sprach über die Bedeutung des Symbols für unsere Region. Estrela bedeutet „Stern“ und sofort war die Brücke geschlagen. Frau BM Schwingel war sehr interessiert an den Dingen in unserer Stadt und berichtete von den Problemen, die Estrela beschäftigen. Die Stadt kämpft mit den Folgen einer verheerenden Flut. Schließlich überreichte sie Frau Franzl die Einladung zu einer Städtepartnerschaft zwischen beiden Städten. Am Nachmittag pflanzen beide Bürgermeisterinnen einen Baum im Park vor dem Rathaus.
Wir besuchten anschließend den kommunalen Kindergarten und die Martin Luther Schule, eine private Schule der Kirchgemeinde in Estrela. Dort lernen 500 Kinder und Jugendliche.
In Begleitung eines städtischen Biologen durften wir uns auch ein Bild von den verheerenden Flutschäden machen. Ein städtisches Gymnasium wurde vollkommen von der Flut vernichtet zusammen mit 2000 Häusern von denen nur 800 wieder aufgebaut werden können, da der Fluss das Land einfach vernichtet hat. Der Pegel des Flusses war innerhalb von 3 Tagen auf 31 m gestiegen. Durch hervorragenden Zivilschutz kam es in der Stadt nicht zu Todesopfern. Doch einige Einwohner haben die Stadt für immer verlassen.
Den Abend verbrachten wir in der Kirchgemeinde vor Ort beim fröhlichen Miteinander und dem Austausch über die Ereignisse des Tages. Viele freuen sich auf eine schon geplante Reise nach Deutschland. Es wurde ausgemacht Ehrenfriedersdorf dabei am 4. Juni einen Besuch abzustatten und einen gemeinsamen Gottesdienst in der St. Niklaskirche zu feiern.













Bericht vom 18. und 19.02.2025 – Porto Alegre
Wir fuhren zurück nach Porto Alegre und besuchten die Pastor Dohms Schule. Diese Schule ist ebenso, wie die Martin-Luther-Schule eine private kirchliche Schule. Sie bietet einen mehrsprachigen Unterricht, insbesondere in Deutsch. 1200 Kinder und Jungendliche lernen hier ab dem Alter von 4 Jahren, berichtete und Werner Scheuermann, der Direktor der Schule. Wir sprachen ausführlich über pädagogische Herausforderungen in der Gegenwart. Viele ehemalige Schüler sind weltweit in großen Unternehmen tätig und oft fließen die Erfahrungen wieder zurück nach Brasilien. Nur 10 Prozent der Schüler gehören zur Ev.-Luth. Kirche. Ein Schulpfarrer ist ebenfalls an der Schule tätig. Es gibt einheitliche T-Shirts und die Lehrer verdienen an dieser Schule überdurchschnittlich.
Am Nachmittag waren wir dann zu Gast in der Zentrale der Kirche und kamen mit Kirchenpräsidentin Frau Pfn. Silvia Genz zusammen. Die Kirche ist zahlenmäßig ungefähr so groß wie unseres Landeskirche doch sie erstreckt sich über eine Fläche, die 22x so groß ist wie Deutschland. Die mehr als schlanke Verwaltung ist faszinierend. Mit dem engagierten Kollegium um die Kirchenpräsidentin erfolgte ein intensiver Austausch über die Aufgaben der Kirche in der Gegenwart und die Bedeutung der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung.
Nach diesem Gespräch berieten wir über das konkrete Projekt einer Jugendbegegnung im Februar des kommenden Jahres. Zu einer Rückbegegnung soll es dann im darauf folgendem Jahr ebenfalls im Februar kommen. Diakon Timo Decker und Diakonin Simone Voigt werden dazu in intensiven Kontakt bleiben. Es wurde ein Termin für eine digitale Zusammenkunft Anfang April vereinbart, die dann die konkreten Punkte und Rahmenbedingungen festlegt.
Am letzten Abend nahm sich Kirchenpräsidentin Silvia Genz noch einmal die Zeit zu einem Austausch in kleiner Runde über die gemeinsam erlebte Zeit.
Nach einer gemeinsamen Andacht am letzten Tag unseres Besuchs und einer Evaluation hieß es Abschied nehmen. Das volle Programm der Tage konnte umgesetzte werden und hat uns einen tiefen Einblick in das kirchliche Leben eröffnet. Pfr. Marcos Bechert hatte uns die ganze Zeit begleitet und für uns viele Türen geöffnet und rote Teppiche ausgerollt. Es war alles sehr berührend und ließ uns die Menschen in dieser kurzen Zeit hier ans Herz wachsen. Mit vielen Ideen und Inspirationen für eine Zusammenarbeit kehren wir zurück. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.










