Entsetzt euch nicht. Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. (Markus 16,6)

Ostern ist in diesem Jahr schon im März gewesen. Und auch mit dem Monatsspruch für den März bin ich spät dran, wenn ich für April und Mai eine Andacht schreibe. Und dennoch: dieses Wort geht mir nicht aus dem Sinn. Ich verbinde es mit einem besonderen Erlebnis:
Im Jahr 2019 war ich mit einer Gemeindegruppe aus Dippoldiswalde in Israel – und wir besuchten die Auferstehungskirche mit dem Grab Christi. Es war mitten in der Woche am Nachmittag. Die Kirche war voller Menschen, die Schlange an der Grabkammer war lang. Alle warteten und wachten dabei genau, dass niemand sich vordrängelte. Tat das doch mal einer, lagen die Nerven blank – man glaubt es kaum, wie gereizt Leute an einem solchen Ort sein können. Irgendwann waren wir „dran“ und gingen jeder für einen kurzen Moment in die Kammer. Sie ist klein – und man konnte nicht lange bleiben – nur einen Augenblick gemessen an der langen Wartezeit. Und für manche von uns war es das erste Mal in Israel, und man hatte ein Leben lang auf diesen Moment gewartet.
Am Abend dieses Tages predigte ich in der Andacht über die Osterbotschaft, und mir wurde dabei auch selbst neu bewusst: Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Wir waren nach Jerusalem gepilgert, waren den Kreuzweg gegangen bis zum Knien am Kreuz von Golgatha, und dann hatten wir an der Grabkammer gewartet. Und warum? Nur, um den Ort aufzusuchen, an dem der auferstandene Jesus definitiv nicht ist – nämlich in seinem Grab. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, er lebt. Und manchen von uns tröstete das auch über die vergleichsweise ungeistliche Atmosphäre in der Grabeskirche: Was sollte man erwarten von einem Ort, an dem der Heiland nicht ist?
Ganz so ist es natürlich auch wieder nicht: Die Grabkammer ist der Ort, an dem der Himmel die Erde berührte und den Tod überwand. Sie ist der Ort, an dem Jesus lag – und auferstanden ist. Und als ich ein Jahr zuvor das erste Mal in der Kammer war, war ich sehr berührt. So unterschiedlich kann es sein.
Unser Heiland lebt – und wir erleben ihn in unserem Leben. Sein Geist führt uns als Gemeinschaft auch durch unser Land und unsere Zeit. Er ist bei uns an jedem neuen Tag. Mögen wir dies gemeinsam erleben.

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