Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat. (5. Mose 26,11)

Du sollst fröhlich sein! Freude auf Anweisung ist ja nicht so einfach möglich, aber in diesem Text hat die Freude ihre Gründe: zum einen sollten sich die Leute nach der Ernte freuen, wenn sie den zehnten Teil davon zu Gott bringen. Die Ernte war erfolgreich – und da kann man sich freuen. Ich für meinen Teil ernte sehr selten etwas Landwirtschaftliches, aber als ich im vorigen Jahr viele Kisten Apfelsaft in die Wohnung trug – der Ernteerfolg des Apfelbaums im Garten – da war das ein Grund zur Freude. Das war etwas Eigenes, etwas, was über das Jahr gewachsen war, etwas sehr Handfestes. Das war gut. Zum anderen sollten die Leute sich anlässlich dieses Erntedankes in Erinnerung rufen, wie Gott sie aus Ägypten rettete und ihnen eine Heimat gab. Das ist eine Grundvoraussetzung zum Leben – ein Ort, wo man sein kann. Irgendwo muss ich mich aufhalten und atmen können. Beides, Ernte und Heimat, hat Gott seinem Volk gegeben, und darüber sollten sie sich freuen. Nun kann man überlegen, ob man Freude wirklich so „anweisen“ kann, wie das hier geschieht. Das denke ich auch manchmal, wenn es kurz vor Weihnachten heißt: Freut euch … und nochmal sage ich: Freut euch! Einerseits nein: das geht nicht so einfach. Wenn Leuten nicht nach Freude zumute ist, kann ich sie nicht anweisen. Andererseits staune ich oft, wenn ich z.B. Konfirmanden bitte: Schreibt in einem Gebet auf, wofür ihr Gott dankt – wieviel dann kommt. Das hört manchmal gar nicht wieder auf. Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: und wenn man dann auf diese Aufforderung hin nachdenkt, dann hört es manchmal gar nicht auf mit dem Danken. Und ich finde das gut und denke dann: Doch – so ein bisschen muss man sich vielleicht manchmal selbst den Ruck geben und sagen: ich bin nicht bereit, alles schwarz zu sehen. Wenn ich genau hinsehe, dann merke ich, dass es eigentlich unglaublich viel Gutes gibt, was Gott mir und meiner Familie gegeben hat. Viele Leute schätzen ihre eigene persönliche Lage weit besser ein als die des ganzen Landes oder der ganzen Welt. Und vielleicht liegt es nicht daran, dass sich alle Leute ihre Lage schönreden, sondern dass sie vielleicht tatsächlich besser ist, als man gemeinhin denkt. Ich hoffe jedenfalls, dass es uns gelingt, immer wieder auch Freude im Herzen zu tragen – und das am besten aus ehrlichem eigenem Empfinden heraus.

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