Ahnenforschung

Anfragen zur Ahnenforschung und Einsicht in die Kirchenbücher können ans Pfarramt gestellt werden.

Hier einige interessante Geschichten zu Ehrenfriedersdorfer Personen. Diese wurden bereits in der Festschrift zum 500jährigen Altarjubiläum veröffentlicht.

Oswald Barthel

Diese Person ist den Ehrenfriedersdorfern gut bekannt. Verschiedene Sagen,16 Legenden, Geschichten, Bilder und sogar Theaterstücke gibt es über Oswald Barthel und seine „Lange Schicht“. Am bekanntesten ist die Geschichte, dass er am Tage St. Katharina im Jahre 1508 durch einen tragischen Unfall in der Grube „Gutes Glück“ verschüttet wurde. Beim Durchschlag des Stollens waren die Bergleute auf gespanntes Wasser gestoßen und mit großem Krachen in der Firsten-Zimmerung war alles zusammen gebrochen. Oswald Barthel, der jüngste der Bergleute vor Ort, blieb bis zum Schluss zurück, um die anderen Kumpels zu retten. Der Bergmeister von Ehrenfriedersdorf, Andreas Weiß, stellte eine Rettungstruppe zusammen. Tagelang versuchten die Männer bis zum Verschütteten vorzudringen – alle Mühe war vergebens. Der Leichnam war verschüttet und konnte nicht geborgen werden. Besonders tragisch war, dass er am letzten Arbeitstag vor seiner Hochzeit mit Anna, der Tochter des Obersteigers Baumwald, verunglückte. Am Altar der St. Niklaskirche legte Anna dann das Gelübde ab, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr Leben lang nur als Jungfrau zu leben und so zu sterben. Sie hing ihren Brautkranz mit eigener Hand unter den übrigen Totenkränzen in der Kirche auf und lebte fortan in tiefster Stille. 60 Jahre später, am 20. September 1568, fand man im Sauberg beim Auffahren eines neuen Stollens einen unverwesten Leichnam in Bergmannskleidung. Nachdem er geborgen worden war, identifizierten ihn zwei Freunde und seine Braut und erkannten den jungen, damals vor 60 Jahren verschütteten, Oswald Barthel. Es fand dann ein Begräbnis statt, wie Ehrenfriedersdorf noch keins gesehen hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen waren, um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleit zu geben. Die Predigt, welche der damalige Ortspfarrer M. Georg Raute hielt, ist überliefert und dort heißt es u.a.: Es ist eine wunderbare Mär, dass er, der im 31. Jahr seines Lebens stehe, einer Leiche die Gedächtnispredigt halte, die schon 30 Jahre vor seiner Geburt gestorben sei. Kurz danach ist auch Anna gestorben und sie soll neben ihrem Oswald begraben worden sein. Der Heimatdichter Willy Hörning griff diese Geschichte auf und schrieb mehrere Stücke dazu, u.a. die Legende, dass sich der Handwerksgeselle, der mit dem Flügelbildern des Altars beauftragt war und in der Kirche arbeitete, in die Braut Anna verliebte, da sie ja jeden Tag beten kam. Das Gesicht von Oswald Barthels Braut soll sich nun im Antlitz der heiligen Barbara wiederfinden. Tatsächlich deutet die Frisur auf ein unverheiratetes Erzgebirgsmädchen hin.

 

Christian Gotthelf Reuther

Die allbekannte Rundkirche im Spielzeugdorf Seiffen wurde von dem Ehrenfriedersdorfer Zimmermann Christian Gotthelf Reuther, (geboren 1742 in Ehrenfriedersdorf, gestorben 1795 in Pirna) dem Baumeister im sächsischen Barock, erbaut. Über seine Lehr- und Wanderjahre zur Erlernung des Zimmererhandwerkes sind bisher keine Fakten bekannt. Nach Ende des Sieben-jährigen Krieges 1763 arbeitete Reuther in Dresden, hielt aber Kontakt mit Ehrenfriedersdorf, was durch seine Heirat am 25. Oktober 1767 mit der Ehrenfriedersdorfer Bergmannstochter Johanna Elisabeth Arnold dokumentiert ist. Seit 1769 lebte Reuther in Kreischa bei Dresden. Von 1774 bis 1777 hielt er sich nachweislich in Reichstädt bei Dippoldiswalde auf und beseitigte wohl die Schäden im Rittergut mit Wasserschloß der Familie des Generalpostmeisters Adam Rudolph von Schönberg. 1775 übernahm Reuther die Arbeiten am neuen Badhaus in Bad Einsiedel bei Seiffen. 1776 begannen unter seiner Leitung die Arbeiten an der Rundkirche Seiffen, die das Gebäude eines Pferdegöpels nachempfindet. Am 7. November 1779 wurde die Kirche geweiht. Das nächste bedeutende Werk, an dem Reuther nachweislich zusammen mit dem Maurermeister Johann Daniel Kaiser beteiligt gewesen war, ist die Kirche zu Lohmen bei Pirna. Der Gipfel seiner beruflichen Bahn und seines Lebens war die Berufung zum Ratszimmermeister der Stadt Pirna im Jahre 1787.

 

Baronin von Flörken

Im Ratsstübchen der Stadtpfarrkirche St. Niklas, wo früher die Sitzungen des Stadtrates abgehalten wurden, hängt an der Stirnseite das Bild einer Frau, der Baronin Johanna Concordia von Flörken. Zu diesem Bild gibt es eine amüsante Geschichte, welche wir an dieser Stelle erzählen wollen: Am 3. Januar 1747 wurde in Ehrenfriedersdorf die Bergmannstochter Johanna Concordia Felbrich geboren. Sie war nicht nur eine Schönheit, sondern auch geschickt. Und so lernte sie – für ein Kind armer Leute schon viel genug – in Chemnitz den Beruf einer Putzmacherin. Auch hier zeigte sie sehr viel Geschick. Verständlich, dass Johanna die elegante Kleidung, die sie für die vornehme Damenwelt von Chemnitz fertigte, selbst auch einmal tragen wollte. So kam ihr die Idee, eines schönen Tages, etwa 17 Jahre alt mag sie damals gewesen sein, in hochmodischer Kleidung in ihrer Heimatstadt Ehrenfriedersdorf aufzutauchen. Die Aufregung, die sie hervorrief, kann man sich vorstellen. Ganz Ehrenfriedersdorf stand Kopf. Ihr Besuch war Stadtgespräch und blieb nicht ohne Folgen. Wind davon bekommen hatte nämlich auch Stadtschreiber Graube, der zugleich auch die Pflichten eines Bürgermeisters wahrnahm, und dieser besann sich der zwar bisher kaum angewandten, aber noch existierenden „Kleiderordnung“, nach der Frauen „niederen Standes“ das Tragen vornehmer Kleidung verboten war. Graube waltete seines Amtes und befahl dem Gerichtsvollzieher, sich unverzüglich zu der Felbrich zu begeben und sie aufzufordern, die für eine Bergmannstochter „unpassende“ Kleidung abzulegen oder die Stadt unverzüglich zu verlassen. Im Falle der Weigerung war an ihr die „Schälung“ vorzunehmen: das heißt, sie müsste sich zwangsweise ihrer Tracht entledigen. Johanna aber kam dem Gerichtsvollzieher zuvor: Noch vor seinem Eintreffen war sie nach Chemnitz entflohen. Tief in ihrer Ehre gekränkt, schwor sie insgeheim Rache. Johanna schloss sich später einer Theatergruppe in Chemnitz an. Da sie auch hier Talent zeigte, wurde sie eine gute, erfolgreiche Schauspielerin. Sie trat in Dresden am Hoftheater auf, gastierte in Prag und am Wiener Hoftheater. Eines Tages erhielt sie einen Heiratsantrag: Baron Arnold Heinrich von Flörken, Erbherr mehrerer Rittergüter und sächsischer Oberstleutnant, hielt um ihre Hand an. Und die Bergmannstochter sagte ja, aber sie stellte eine Bedingung und ging an die Befriedigung ihrer Rachegelüste: Die Hochzeit sollte in ihrer Heimatstadt stattfinden. Und so geschah es. Mit stattlichem Gefolge und großer Dienerschaft machte sich das Paar auf nach Ehrenfriedersdorf. Die Hochzeit fand am 1. August 1769 statt, und das mit großem Pomp. Die Trauung war – darauf hatte die Braut bestanden – im Amtszimmer des Stadtschreibers. Johanna Concordia Baronin von Flörken soll, so wird berichtet, Anfang des 19. Jahrhunderts ihrer Heimatstadt in Notjahren mit Geldspenden geholfen haben. 1823 schenkte sie der Kirche 100 Taler und bat dafür um die Erlaubnis, ein Bild von ihr in der Niklaskirche aufhängen zu lassen, was auch geschah.